Sonntag, 19. Oktober 2014

Tatsache oder Projektion?

Ein "Apropos"-Beitrag

- geht auf einen Kommentar oder Beitrag in facebook zurück

Kontext: Während ich in einem facebook-Beitrag facebook-gruppe Psychologie des 21ten Jahrhunderts  Werbung dafür machte, in der Welt der sprachlichen Bilder ein Gemeingut zu sehen, dass wir uns nicht von einem eigentumsorientierten Kontrolldenken vermiesen lassen wollen, kam die klassische Frage auf, ob Bilder (Gleichnisse) nicht überhaupt immer nur Projektionen seien. Was kann als Tatsache gelten und was als eine "pure Einbildung"? Auf diese Frage muss man tatsächlich etwas gründlicher eingehen. Das habe ich in einem Kommentar versucht, den ich hier veröffentlichen möchte


Immer wieder taucht die Frage auf: Projektion oder Tatsache? 


Was ist eigentlich, wenn die Welt selbst ein allumfassendes Erfahrungen-Machen ist.
Ist dann unser Suchen nach einfachen Urheberschaften nicht einfach dumm und eitel. 


Alfred N. Whithehead (hier von Michael Hampe vorgetragen) vertritt im Folgenden eine solche Auffassung und ich bin mit ihm darin vollkommen einer Meinung. 

"Wir erleben die Schwere, wenn wir von einem Turm springen, und wir erleben Langeweile und Müdigkeit, bzw. Lust und Interesse, je nachdem welche Tätigkeiten wir verfolgen. Wie können wir wissen, was von beidem elementar und was ein abgeleitetes Phänomen ist? 
[also auch hier: reine PROJEKTION oder TATSACHE]

[...] Wenn unser Gehirn ausfällt, fällt unser Bewusstsein
aus, doch ob auch alle Strebungen und Bewertungen verschwinden, ist fraglich. Vor allem dann, wenn wir Leben von geringer neuraler Komplexität Betrachten, das vermutlich nicht bewusst ist. 

Wir brauchen ein Gehirn, um zu wissen, dass uns etwas öde
erscheint und dass wir einen Zweck verfolgen. Ebenso brauchen wir ein Gehirn,um zu WISSEN, dass unser Körper schwer ist und von der Erde
"angezogen" wird. Doch so wie wir davon ausgehen, dass es Schwere ohne ein Bewusstsein der Schwere gibt, sollen wir nach Whitehead davon ausgehen, dass es Bewertungen und Zwecksetzungen [AUCH] ohne ein Bewusstsein von ihnen gibt.


Bei Werten und Zwecken 

argumentieren die meisten von uns bewusstseinsidealisitisch:

Es soll sie Nur DA geben, wo es ein Wissen von ihnen gibt
.
Bei der Schwere oder den elekromagnetischen Kräften 

sind die meisten von uns Realisten:

es soll sie geben, ob wir von ihnen wissen oder nicht. [...]

Die meisten Phänomene der Subjektivität, vor allem Bewertungs- und Zwecksetzungsprozesse, sind nach Whitehead universal und fundamental für Wirklichkeit überhaupt. Lediglich ihre BESCHREIBUNG in Bewusstseinsvorgängen ist etwas, was an neuronale Komplexität, wie wir sie in unserem Gehirn finden, auf uns bisher nicht verständliche Weise gebunden ist. Aber das Streben nach Intensität und die Bewertung von anderem nach den Kriterien dieses Intensitätsstrebens ist nach Whitehead ein Kennzeichen von Wirklichkeit überhaupt. Die Wirklichkeit ist daher für Whitehead grundsätzlich EMOTIONAL verfasst."

Werner Mikus

Es gibt einen
weiteren Artikel auf diesem Blog, der sich mit Whitehead beschäftigt 

Literatur:
 [Michael Hampe, Alfred North Whitehead; Beck'sche Reihe, München 1998; S. 98f - Absätze und Hervorhebungen im Zitat sind von mir

über das folgende Link kann man in Michael Hampes Buch (via googlebooks) blättern und lesen.


Bildquelle: Strichzeichnung Werner Mikus


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