Mittwoch, 24. September 2014

75 Jahre ist Freud tot - Angestoßenes lebt weiter

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Kontext: Dieser Beitrag ist von mir in der facebook-gruppe Psychologie des 21ten Jahrhunderts gepostet worden. Anlass war Freuds 75. Sterbetag.



Zum 75. Todestag Sigmund Freuds.

Es ist noch nicht lange her, dass der damals eigentlich schon recht alte Mann die Welt mit einer neuen Idee von der Natur des Seelischen überraschte; hatte er doch mit seinen ERSTEN psychologischen Arbeiten erst begonnen, als er schon 40 war - denn vorher war es ihm eher um andere Dinge gegangen, wie um die geschlechtliche Ausstattung von Aalen z.B. oder um das Sichtbarmachen von Hirnstrukturen, durch bestimmte Präparationen u.ä.)

Freud als reifer Mann, 

macht uns dann auf eine Natur aufmerksam, die davon lebt, anders bedient zu werden, als es die Objekte der (klassischen) Naturwissenschaft von uns verlangen: Seit Freud können wir uns trauen, ganz allgemein den Widerspruch selbst als Motor im Seelischen zu verstehen, und nicht als ETWAS, dass überwunden werden muss! Seit dem haben Konflikt und Widerspruch für ein Verstehen "glückender" Entwicklung eine ganz andere Bedeutung als bis dahin.

Nach Freud ist es damit weitergegangen,

und zwar auf der Grundlage einer Anerkennung der postulierten GRUNDSÄTZLICHEN Unaufhebbarkeit von Widersprüchen im Prozessgeschehen des Seelischen. AUCH WENN von der Faszination der neuen Gedanken durch die medizinische Einverleibung der Psychoanalytischen Denke (Heilkunde-Markt Verbürokratisierung ) - aktuell jedenfalls - einiges auch wieder verloren gegangen zu sein scheint.

Es ist nicht schlecht,

aus Anlass des 75. Sterbetages Sigmund Freuds, sich noch einmal die von ihm geleistete große Weichenstellung in Richtung "Paradoxie (oder Psychodoxie) als Motor" bewusst zu machen. Freud hätte es nicht mit den gleichen Worten ausgedrückt, aber er würde sich freuen, dass wir seinen Auftrag angenommen haben, seinen Anstößen folgend, eine neue Wissenschaft aufzubauen (oder in seinem Sinne zu begründen) und nicht nur medizinsiche Kunst und Praxis weiter auszubauen.


Werner Mikus