Mittwoch, 4. Juni 2014

Sinnüberschuss und bewegte Bilder


Auch Soziologen entdecken die Macht der ERLELBBAREN ZUSAMMENHÄNGE:
Dirk Baecker über bewegte Bilder in Studien zur nächsten Gesellschaft:

Ein "Apropos"-Beitrag

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Kontext: Mini-Beitrag auf der facebook-Seite "Bildanalytische Psychologie"

„Die bewegten Bilder machen [die Bedeutung von Emotionen für die Binnenverhältnisse einer Gesellschaft] sichtbar, […] Jeder Schnitt hält etwas an, was in dieser angehaltenen Form sichtbar und ERLEBBAR nicht aufgeht. Der ÜBERSCHUSS des SINNS wird nirgendwo lebendiger, erfahrbarer als hier. Und dafür nimmt man jede Reduktion auf eine gestellte Szene, ein künstliches Wort, eine Lücke im Plot in Kauf.“ [Dirk Baecker]

Beitrag: Werner Mikus

Bildhinweis: http://www.moviepilot.de/files/images/0513/2978/mein_erstes_mal_article.jpg

Montag, 2. Juni 2014

Kultur will intensivieren - und kann sich auch schon mal verlieren

Ein "Apropos"-Beitrag

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Kontext: Im Zusammenhang mit dem Song-Contest-Gewinn der östereichischen Kunstfigur "Conchita Wurst" entstand eine Diskussion über den großen Raum, den das Thema Homosexualität heute in den verschiedensten Bereichen einnimmt. Ärger kam darüber auf. Geht es bei der Homosexualität um eine seelische Konstruktion und nicht nur um etwas Graduelles? Diese Fragen werden nicht diskutiert, nur indirekt in der Argumentation mitgeführt. Deshalb wollte ich dieses Problem in ein paar Kommentaren ansprechen, auch in Bezug auf eine Kultur, die, bei all ihren guten Absichten, diese Zusammenhänge (wie mir scheint) auf eine augenblicklich eher tragische Weise rahmt.

In Übergängen steckt mehr als ein "Mehr oder Weniger"

Bei der Wärme-Entwicklung (physikalisch gesehen) gibt es Übergänge in Graden: kalt, warm und wärmer. Gibt es Graduierungen auch zwischen unterschiedlichen Lebensformen - macht es Sinn zu sagen, "der ist nur ein bisschen und der schon ein bisschen mehr 'warm' (schwul)"? Wenn wir seelisch etwas vergleichen, haben wir es doch immer mit FORMEN zu tun: Diese haben einen INNEREN AUFBAU (so etwas wie eine KONSTRUKTION in der Architektur). Ein stufenweises Aufstellen von Lebensformen- oder Methoden wäre ein völliger Unsinn (auch wenn ein älteres Wissenschaftsverständnis das heute noch versucht). Was soll sich in einer solchen Reihe von einer Form zur anderen hin verstärken oder abschwächen? Welche Formalisierungen sind wir bereit, dem seelischen Ineinander anzutun, damit es sich wie in einem Polaritätenprofil "verhält"?
 

Übergänge wollen sich verkörpern und "SEIN"

Ich liebe es von seelischen Konstruktionen (Bildern und Gleichungen) zu sprechen. Zwischen solchen erlebbaren Zusammenhängen finden die besagten Übergänge statt. Und diese sind SELBST WIEDERUM bildhafter Natur. Und wenn ich an anderer Stelle sagte, SIE LEUCHTEN, (diese Übergänge!) dann meinte ich Folgendes: immer dann, wenn eine Konstruktion (ein organisierendes Bld) aus dem scheinbar Fließenden der Übergänge heraustritt und sich bemerkbar macht, sind wir stark angerührt - posititv oder negativ. So verhält es sich nicht zuletzt auch mit Conchita Wurst. Das funktioniert nämlich auch mit Lebensformen, die möglicherweise ein Beispiel für einen riesigen seelischen Aufwand sind. Über seelische Aufwände kann man natürlich verschiedener Meinung sein. Aber über die Frage nach dem Aufwand meldet sich hier schon wieder ein weiterer Problemzusammenhang:



Kultur: eine Strategie, Leben zu intensivieren

Die Kultur, die uns so vieles abnimmt, damit nicht jeder von uns ERST SELBST NOCH die heimatliche Sprache, Infrastruktur und alles was kulturell trägt, HERSTELLEN muss, verfolgt dabei immer das gleiche Ziel: Ihr geht es darum, Voraussetzungen herzustellen (und zu sichern), die das Leben INTENSIVER MACHEN (und zwar mittels ihrer Festlegungen, auch wenn das noch so paradox klingen mag). Das kann sich aber auf die Länge einer Kulturentwicklung gesehen auch einmal im Ganzen und komplett verkehren. Dann schlägt die lebens-intensivierende Wirkung einer, zuletzt doch immer hilfreichen Emanzipation, in ein gegenteiliges Ergebnis um.

Kann sich das Kultivieren auch gegen sich selbst wenden?

Das ist der Fall, wenn die erweiterten Formen, ihrem seelisch-strukturellen Kern nach, NICHT der Intensivierung, sondern einer Einschränkung und Eindämmung seelischen Reichtums dienen (BEISPIELSWEISE wenn wir die gelebte SUCHT als Lebensform aufwerten und EMANZIPIEREN WÜRDEN). Die Kultur, welche mit ihren Festlegungen aber doch genau das Gegenteil will, nämlich eine INTENSIVIERUNG des Lebens, wendet sich in einem solchen Falle ganz unbeabsichtigt gegen sich selbst. Manches scheint dann wie total verdreht. Die Kulturentwicklung, in der wir uns befinden, scheint übergangshaft und partiell in so etwas hineingeraten. Die Russische Politik z.B. nutzt das aktuell aus: Von dem nicht zu übersehenden Erblühen eines europäischen Reichtums auf den verschiedensten Ebenen, soll die eigene Bevölkerung durch dieses, leicht mit einer Abwertung zu versehende Thema,  abgelenkt werden - demenstprechend spricht die russische Führung  - jedenfalls in ihrer Propagana - auch gerne von GAYROPA, wenn es um den nichtrussischen Teil von Europa geht. Aber die Entwicklung kommt auch wieder raus aus diesem, aktuellen Dreh! - Vorausgesetzt, dass sie sich nicht von irgendwelchen GESUNDBETERN und Rettern beeindrucken lässt. Ein Wissen um die Komplexität dieser Dinge kann nicht schaden. Es  macht "gelassen" und erlaubt sowohl eine Erweiterung der gelebten Formen als auch eine STÄRKENDE Form der INKLUSION - DIE NICHT einfach nur eins mit dem anderen VERMISCHT.

Autor: Werner Mikus

Bildhinweis: (absteigende Reihenfolge)
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