Freitag, 15. August 2014

Die Perspektive der Erfahrungszusammenhänge

Ein "Apropos"-Beitrag

- geht auf einen Kommentar oder Beitrag in facebook zurück

Kontext: Dieser Beitrag ist von mir in der facebook-gruppe Psychologie des 21ten Jahrhunderts gepostet worden, für Leser, die sich für die Frage interessieren, wie sich psychologisches Denken in der Zukunft entwickeln könnte und entwickeln sollte. Echte Entwicklungen eröffnen stets neue Perspektiven, ein neues "Sehen", sie gehen aber auch selbst erst aus einem veränderten Sehen, aus einer neuen Perspektive auf die Welt hervor. An dem Letzteren will mein Beitrag anknüpfen: Ich stelle darin vor, wie das Denken von Alfred North Whitehead (Mathematiker, Physiker und Philosoph) zu einer Psychologie beitragen kann, die sich durch ein neues und eigenes Wissenschaftsverständnis auszeichnet, und zwar innerhalb einer sich zukünftig möglicherweise neu verstehenden Wissenschaftsgemeinschaft.


Wissenschaft mit universaler Perspektive

Die Perspektive der Erfahrungszusammenhänge beschreibt nach Whitehead etwas Universales in der Welt, das wir zu seiner Zeit jedenfalls noch nicht ernsthaft auf dem Schirm wissenschaftlicher Orientierung hatten (er starb 1947). Eine universale Perspektive, die in allem ihr Dasein hat, spürte man einzig und allein in der Wissenschaft von den "raumzeitlichen Zusammenhängen" (Physik) und ähnlich auch in der Wissenschaft von den "formalisierenden Zusammenhängen" (Mathematik).
Nach Whitehead ist aber in unserer Welt durchgehend - also quer durch alles hindurch - eine Realität wirksam, die er als Realität der Erfahrungszusammenhänge bezeichnet: Alles lässt sich als ein Zusammenhang beschreiben, in welchem es um den Prozess eines sich gegenseitigen "Erfahrens von Zusammenhängen" geht. Natürlich ist hier der Begriff Erfahrung weiter gefasst, als wir ihn von der Person-Erfahrung und den speziell dabei mitgegebenen Bewusstseinsqualitäten etc. her kennen.

Initiierendes Paradigma

Interessant ist dieser Gedanke, weil er ein "Initiierendes Paradigma" für eine Wissenschaft in die Welt setzt - und zwar für eine Wissenschaft, die es bisher noch nicht über die Form einer Bereichswissenschaft hinausgebracht hat (es geht dabei um eine Psychologie des zurückliegenden Zwanzigsten Jahrhunderts die bis in das Heute hineinreicht).

Aus einer Bereichswissenschaftlichen Psychologie...
(die sich auf einen bestimmten Phänomenbereich, nämlich aufs Verhalten und Erleben hin verortet, so wie es die Geographie - salopp gesagt - auf die Berge und die Flüsse hin tut)
...kann auf diese Weise eine Psychologie mit universaler Perspektive entstehen. Und diese gerät dabei auf Augenhöhe mit der Physik und der Mathematik - die ich als Grundwissenschaften den Bereichswissenschaften gegenüber hervorheben möchte.

Konsequenzen

Es ist naheliegend, dass es bei einer universalen Perspektive auch (bzw, eigentlich erst) Sinn macht, eine eigene wissenschaftliche Methode (Methode im ganzheitlichen Sinne) zu entwickeln. Wenn wir allerdings davon ausgehen, dass sich alle Dinge, wie auf gleicher Ebene, lediglich in Bereiche teilen, dann kann schon die Verführung entstehen, mit dem Psychischen wie in einer Kombinationswissenschaft umzugehen (Beispiel Medizin oder Ökologie). Dann geht es darum, in einer Kombination ganz verschiedener Ansätze (also mit biologischen, soziologischen und neurowissenschaftlichen vielleicht), den eigenen Bereich zu beforschen. Und hierzu würde dann auch der moderne Satz passen: "Mal sehen, was die Hirnphysiologie dazu sagt".
Whitehead weist uns aber einen anderen Weg. Er verdient es deshalb, einmal ausdrücklich als derjenige genannt zu werden, der eine Markierung zu einer neuen "Wissenschaft mit universaler Perspektive" gesetzt hat (auch wenn das in seinen Schriften noch unter der Zielsetzung einer neuen Philosophie gelaufen ist)".


Die Psychologie fürs 21. Jahrhundert tauglich machen

Die neu entstehende Wissenschaft nenne ich die Wissenschaft von den erlebbaren Zusammenhängen. Alle bildhaften Zusammenhänge, Gleichnisse Analogien sind damit gemeint, weil das Erlebbare immer eine bildhafte Natur hat - "bildhaft" und "erlebbar" stehen gleichsam synonym zu einander. Damit ist der Gegenstand der Psychologie über das Erleben und Verhalten hinaus auf jeden bildhaften Zusammenhang bezogen: Alles in der Welt "versteht sich gleichsam selbst" nach dem einen oder anderem Bilde - das lässt sich nachweisen.
Das Initiierende Paradigma, das zu einem solchen Verständnis von Psyche und Psychologie führt, kommt aus der Idee Whitheheads, der (philosophisch motiviert) in der Natur der Erfahrungszusammenhänge einen universalen Herzschlag für alles Geschehen in der Welt gesehen hat.

Hinweise aus Whiteheads Texten

Für den, der noch etwas mehr über die Anstöße Whiteheads zu dem hier entwickelten Gedankengang wissen will, schnell noch ein paar Hinweise aus seinen Texten:
Whitehead fragt sich z.B.: Was gibt den Erfahrungszusammenhängen eine Richtung?: Seine Antwort lautet, dass es kein Endziel für sie gibt, dass die Erfahrungen also nicht durch ein Endziel (Vorherbestimmtheit, Determination) gesteuert sind. Die Bewertungskriterien der Erfahrungszusammenhänge sind in ihrer Richtungsbestimmung vielmehr sehr allgemein und lassen inhaltlich beinahe alles offen. Es gilt lediglich:

Alle Erfahrungsprozesse streben nach Intensität:

Das einzelne Geschehen nimmt Bewertungen z.B. auf die folgende Weise vor. Es fragt sich: "Läuft der einzuschätzende Prozess auf ein Trivial- oder auf ein Kontrastreichwerden zu?"
Ein Beipiel: Wenn jemand durch ein Fernsehprogramm zappt, entsteht in diesem Fall eine Art von Erfahrungsbrei, bestehend aus (sagen wir:) 2 Minuten Tanzwettbewerb, 3 Minuten Verfolgungsjad mit dem Polizeiwagen, 1 Minute Naturfilm und 4 Minuten Politikerstatement in einer Talkshow. Es kommt in diesem Falle zu keinem Kontrast, weil durch das Ausgeweitet-Sein über die vielen Geschehens- und Problemfelder bei gleichzeitig fehlender Vertiefung sich erst gar kein Zusammenhang am jeweiligen "Ort" profilieren kann, geschweige denn kontrastreiche Zusammenhänge im übergreifenden Ganzen.
Enge und Weite, Vagheit und Tiefe, Trivialität und Kontrast sind nach Whitehead Kriterien, die bei einer sich selbst reflektierenden Erfahrungsentwicklung zum Einsatz kommen: 

Die größtmögliche Kontraststärke wird gesucht.

Kontraststärke kann einmal durch Verengung und ein anderes Mal durch Erweiterung erreicht werden, einmal durch eine Verlagerung des Schwerpunktes in die Vagheiten eines Beziehungs-Ganzen hinein und ein anderes Mal durch ein zuspitzendes Vereindeutigen. Ein ideales Geordnetsein von Erfahrungszusammenhängen gibt es nicht. Es kommt auf den jeweiligen Kontext an. Erst im Zusammenhang mit ihm entscheidet sich, was eine Intensivierung weiterbringt. Gesetze als grundlegende Zusammenhänge können aber - wie im Vorangehenden schon angedeutet - sehr wohl dabei "heraugelesen" werden.

Der Beitrag als Erfahrungszusammenhang


Wir sehen, Whitehead hatte schon sehr konkret über die Möglichkeit einer neuen (Grund-)Wissenschaft nachgedacht. In einer Bildanalytischen (oder bildperspektivischen) Psychologie, die ich seit einigen Jahren entwickle und an verschiedenen Orten vertrete, konnte bereits vieles von der Idee Whiteheads in ein konkretes Bild von einem erweiterten Seelischen und seiner Eigengesetzlichkeit umgesetzt werden. Auch an anderen Orten (Orten eines soziologischen Denkens á la Dirk Baecker, eines psycho-morphologischen á la Wilhelm Salber, oder eines ökonomisch-ökologischen á la Jeremy Rifkin - und diese nur als Beispiele genannt) scheint mir ein Geist um zu gehen, der mit diesem "initiierenden Paradigma" sympathisiert. Für diejenigen, die eine Bildanalytische Psychologie noch nicht kennen, wünsche ich mir, dass sich mein Beitrag hier als ein Erfahrungszusammenhang erweist, der sich mit dem Eigenen *intensivierend* ins Verhältnis bringt.  

Autor: Werner Mikus

Text-Quelle: 15.08.2014 auf Psychologie des 21. Jahrhunderts - Gruppe in facebook

Bildquelle: Strichzeichnung Werner Mikus

Literaturempfehlung:

Baecker, Dirk; Studien zur nächsten Gesellschaft
suhrkamp taschenbuch - wissenschaft
(Buchbesprechung von Christoph Möllers)

Hampe, Michael; "Alfred North Whitehead"
Beck'sche Reihe - Denker
(Lesbar via googleboks)

Kuhn, Thomas S.; "Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen"
suhrkamp taschenbuch - wissenschaft

Rifkin, Jeremy; "Die empathische Zivilisation"
Campus Verlag Frankfurt/New York
(Video mit Vorstellung des Buches und Mannes)

Salber, Wilhelm; "Seelenrevolution"
Komische Geschichte des Seelischen und der Psychologie
Bouvier Verlag - Bonn
(Rezension v. Ingo Demmer)

Whitehead, Alfred North; "Denkweisen"
herausgegeben, übersetzt von Stascha Rohmer
suhrkamp taschenbuch - wissenschaft
(Wikipedia-Eintrag, deutsch)

Online zum Thema lesbar:

(und aus eigener Feder)

Zu den Dingen selbst
- Werbung für eine Wissenschaft von den erlebbaren Zusammenhängen -
im hauseigenen Blog hier:
oder auch bei: KUNO, Kulturnotizen zu Kunst, Musik und Poesie
Edition das Labor, Verlag der Artisten

Paradoxie als Denkprinzip einer neuen Psychologie und Wissenschaft
Entwicklungstherapie Heft 4 (pdf-Version)
(oder hier im Blog)

Bildanalytisches Denken
- Ein psychologisches Konzept und seine Bedeutung für Psychotherapie und Beratung
Entwicklungstherapie Heft 1 (pdf-Version)


Bildquelle:
1) Strichzeichnung Werner Mikus (den Wikipedia Commons zugeführt)
2) Delphinbild, was bei einer Verlinkung mit facebook erscheint:
http://media0.faz.net/ppmedia/video/3468003731/1.398338/article_multimedia_overview/delphine-faszinieren-nicht-nur-durch-ihre-aussergewoehnliche-intelligenz.jpg

Samstag, 9. August 2014

Gaza, Israel, verdrehte Welt

Ein "Apropos"-Beitrag

- geht auf einen Kommentar oder Beitrag in facebook zurück


Kontext: In der fb-Gruppe "Psychologie des 21. Jahrhunderts" sind zur Zeit großformatige seelische Zusammenhänge das Thema. Zuletzt war es der Zusammenhang Palästina, Israel und die aktuelle Katastrophe in dem Gebiet. Weil in solchen Gruppen Beiträge immer sehr schnell wieder verschwinden und später schwer wiederzufinden sind, möchte ich meinen dort eingestellten Beitrag zusätzlich hier unterbringen, wo er leicht überarbeitet, im bedienungsfreundlichen Verzeichnis der sogenannten "Apropos-Beiträge aufzufinden ist.


Man muss sich das einmal vor Augen halten:

Das osmanische Reich zerbricht, bestimmte Gebiete fallen in die Hände der umliegenden Staaten. Nach dem ersten Weltkrieg untersteht Palästina der Britischen Verwaltung (Kolonialstatus). Das wird mit der Autorität des frisch gegründeten Völkerbundes besiegelt (einem Bund übrigens, der nach dem Zweiten Weltkrieg von den Vereinten Nationen (UNO) abgelöst wird und dem Amerika beispielsweise gar nicht angehörte - Die Briten und die Franzosen hatten das sagen, wobei den Franzosen z.B. der Libanon unterstand). 1948 kamen die Briten dann auf die Idee (100 Jahre Vorarbeit mit viel Herzl und möglicher Weise etwas weniger politischem Verstand) das von ihnen verwaltete Gebiet (völkerbundgestützt) in zwei Teile zu zerlegen: In einen Teil, der den dort lebenden Palästinensern (Arabern islamischen Glaubens) als Eigentum zurückgegeben werden sollte und in einen anderen, welcher zur neuen Heimat für Menschen aus aller Welt werden sollte. Siedler jüdischen Glaubens und Verfolgte Juden sollten hier eine Heimat finden - und das nicht zufällig gerade in diesem Gebiet, weil nämlich hier die glaubensgeschichtlichen Wurzeln der avisierten Siedler liegen. Am gleichen Tag wurde der israelische Staat gegründet und in der gleichen Nacht noch überfielen die umliegenden Länder den ausgerufenen Staat.
Nun war Israel in diesem und in den nachfolgenden Kriegen eigentlich immer der erfolgreichere Kombattant. Die Auseinandersetzungen brachten dem israelischen Staat Kriegsbeute, den Gazastreifen z.B. - ein Gebiet, was in den tatsächlichen Ausmaßen nicht größer ist als z.B. die Fläche von Wien. Gaza liegt aber wie ein Streifen direkt am Meer.
Israel versuchte im Folgenden durch eine Besiedlung mit "eigenem Blut" (wie das im Osten Europas die Russen ja auch immer gerne gemacht haben) dieses Gebiet in etwas potenziell Eigenes umzuwandeln -naja - und sperrte außerdem den besagten "Streifen" sicherheitshalber nicht nur von der Seeseite, (Seeblockade) sondern auch von allen anderen Seiten her ab (Zaun, Videoüberwachung). Auf Druck der übrigen Welt (UNO, Amerika) ließ Israel dann aber irgendwann - es ist noch gar nicht so lange her - die Besatzungs-Politik im Gazastreifen fallen und erkannte diesen Teil als ein, den palästinensischen Atuonomiegebieten zugehöriges Gebiet an (siehe Westjordanland auf der anderen Seite von Israel).

Zwischenbemerkung:

Wir müssen uns bei diesem Blick auf die Entwicklung aber auch an Folgendes erinnern: Während der ganzen Zeit (von 1948 - bis heute) ging von den besetzten Gebieten (also vom arabisch-palästinensichem Teil dieser Landschaft, eine guerillaartige Bekämpfung des Staates Israel aus, welche nicht zimperlich, sondern mit den hässlichsten Mitteln geführt wurde (meist vom Typus Selbsmordattentäter). Die Haltung, die dabei zum Ausdruck gebracht wurde, könnte man in etwa, folgendermaßen in Worte fassen:
Verschwindet, das ist unsere Land, ihr Juden entheiligt es.

Jetzt ein gedankliches Experiment:

Denken wir uns eine andere Haltung der arabischen Bevölkerung, eine, die eine Art von Wunder hätte wirken können. Natürlich ist die nicht möglich gewesen, weil die Politik Israels z.B. usw...
Aber ich möchte diese Haltung trotzdem erst eimal formulieren. Dann erst wollen wir weitersehen. Diese POTENZIELL MÖGLICHE andere Haltung hätte sich ungefähr mit den folgenden Worte an die in Israel wohnenden Menschen richten können:

"Ihr habt keinen Anspruch darauf, dieses Land hier zu besitzen ...

...die kolonial-mächtige Regelung des Völkerbundes ist für uns (also für diejenigen, die hier ursprünglich leben) ein WILLKÜRAKT, da hilft auch nicht die Referenz auf ein ehemaliges und wenn auch DREITAUSEND JAHRE zurückliegendes Beheimatetsein von Euch Fremden an diesen Wohnorten hier. Und wenn das erst einmal ausgesprochen wäre, dann könnte aus der gleichen Haltung heraus ein weiterführendes Wort gesprochen werden, nämlich ein...

"Aber!...

...Nachdem wir uns in so viel Leid mittlerweile auch so nah gekommenen sind, meinen wir:
WENN ihr in Zukunft NICHT MEHR mit der ARROGANZ eines 'ANSPURCHS-EIGNERS
für diesen FLECKEN ERDE' auftreten wollt, 
DANN, ja dann soll es UNSER WILLE sein, EUCH hier mit uns zusammen LEBEN ZU SEHEN - und das
auch mit den INSIGNIEN eines EIGENEN STAATES ISRAEL"


So herum würde für mich ein Schuh daraus.

Dass die Palästinenser so ein "Nachdenken" bisher wohl kaum in ihren "Köpfen" hatten, ist nicht schwer zu verstehen: Die ganze Diskussion wurde und wird doch bisher immer NUR UMGEKEHRT geführt. So, als wäre die eigentliche Frage DIE, ob ein PALÄSTINENSICHER Staat irgendwann einmal VON ISRAEL ANERKANNT werden kann ODER NICHT (oder vielleicht nicht mit allen Konsequenzen usw.).

Verdrehte Welt!

Ja, so aber ist das Leben! Da machen wir nichts dran.
Oder wir drehen ein bisschen mit!


Autor: Werner Mikus

Der Beitrag ist auch auf facebook zu lesen auf der Seite (Gruppe) Psychologie des 21. Jahrhunderts

Bildverweis: https://www.bundesarchiv.de/imperia/md/images/abteilungen/abtfa/gallerie/_heimat_501x0_0_7.jpg

Montag, 4. August 2014

Das "Prinzip Europa"

Ein "Apropos"-Beitrag

- geht auf einen Kommentar oder Beitrag in facebook zurück

Kontext: Wir brauchen schon eine hellwache Psychologie wenn wir mitbekommen wollen, welche politische Wirkung die Entwicklung eines EUROPAS in dem augenblicklichen Weltgeschehn hat. Ich sehe ein "PRINZIP EUROPA", dass sich der Welt anbietet und deshalb mitverantwortlich sein könnte für die augenblicklichen Wirren in derselben (Palästina-, Ukrainekrise, Kalifatsgründung im Irak). Deshalb war die facebookseite "Psychologie des 21. Jahrhunderts" (Gruppe) für mich der geeignete Ort, einmal in einem längeren Beitrag das "PRINZIP-EUROPA", so wie ich es vor mir sehe, vorzustellen - mit Bezug auf die zeitgeschichtlichen und aktuellen Probleme.

Das "Prinzip Europa"

Europa ist die Verkörperung eines neuen, zukunftsweisenden Prinzips, was zeigt, wie eigenständige Staaten in einem intensiven und kontrastreichen Miteinander leben und zueinander finden können. 
Es geht um eine Perspektivische Gemeinschaft in Europa. Das heißt: Jeder Staat lebt seine ganzheitlich eigene Version von Europa, und jedes dieser verschiedenen "Gesichter" steht jeweils auch allein für das Ganze, es ist Europa, jeweils in einem konkreten Gleichnis. Die beteiligten Staaten werden NICHT durch eine abstrakte Konstruktion ersetzt. 
Das heißt: Außerhalb der gelebten Varianten dieses Ganzen (Frankreich, Deutschland, Spanien z.B.) gibt es Europa nicht: Europas Institutionen fallen der Welt (dem Europäer selbst vielleicht weniger) durch ein eigentümlich geprägtes Verhältnis von Haupt- und Nebenzielen auf: Ihr Hauptziel ist es nämlich, ein Verschiedensein und Anderssein innerhalb der Gemeinschaft zu sichern und Räume zu schaffen, welche dazu beitragen, Synergien zu fördern. Die Nebenziele verregeln bestimmte Dinge. 
(Es ist aber auch schon passiert, dass eine Regelung - z.B. das geplante Verbot der offenen Ölkännchen im Restaurant und ihr Ersatz durch verschlossene Fläschchen mit genormten, sicherem Inhalt - wieder zurückgenommen wurde: Es siegte eben die Einsicht, dass die Verfolgung eines Nebenzieles - gemeint war die Standardisierung eines Ölniveaus am europäischen Restauranttisch - sich in das Benehmen eines Hauptzieles zu verkehren drohte. Wenn es uns Europäer auch gar nicht so leicht fällt, wir müssten dennoch der etwas frotzelnd gemeinten Frage zustimmen: Wo gibt es einen solchen Korrekturmechanismus in einer "reinen Verwaltung" denn eigentlich sonst noch?)


Europa stellt ein besonderes Prinzip der Stiftung von Gemeinschaft
und einer besonderen Pflege derselben als Möglichkeit in dieser Welt heraus. Ich nenne es kurz das "Europa-Prinzip", weil ich es abgrenzen möchte von einem anderen, nach welchem sich ebenfalls Staatengemeinschaften bilden und erhalten können - darüber weiter unten mehr. In der Zeitgeschichte, also ganz aktuell, haben wir es allerdings mit den Wirkungen des von mir so bezeichneten "Europa-Prinzips" zu tun: Die Welt schaut mit einer Bewunderung aber auch mit allen möglichen, nicht nur ungefährlichen Reaktionsbildungen auf dieses Prinzip - welches übrigens nicht per Verordnung oder von irgendeiner Not diktiert auf die Bühne unseres Weltgeschehens getreten ist. Und zur Erinnerung noch einmal: Die Geschichte Europas, je nach dem aus welchem der beteiligten Länder wir grade die Geschichtsbücher nehmen, hört sich SEHR verschieden an: Und genau DARIN zeigt sich das Besondere an diesem Europäischen oder Perspektivischen Prinzip des Zusammenlebens (siehe auch oben). 
Und nun ein Blick in die andere Richtung:
Es gibt ein Staatenbildungsprinzip, das "kontaminiert ist durch die 
Erfahrung einer Kolonialisierung" (teilweise auch Binnen-Kolonialisierung). 
Die Nachfahren dieser Art von Gemeinschaftsbildung (Russland und Amerika z.B.) stehen in einem gewissen Sinne heute noch im Mittelpunkt der Weltgeschichte. Ich finde, dieses Prinzip der Stiftung und des Zusammenhaltens von Gemeinschaften verdient es, neu und als überwindungswürdig verstanden zu werden.
Durch die völlig außer Kontrolle geratenen Kriegshandlungen in Palästina(Gazastreifen, Israel) ist unser Blick aktuelll von diesem kolonialgeschichtlich kontaminierten Prinzip etwas weg- und auf das unsägliche Leid hin abgelenkt, das hier in endloser Wiederholungsschleife sich zeigt (obwohl genau dieses Prinzip gerade in dieser Region seine tragischen Urstände feiert).
Europa ist das Gleichnis für ein alternatives Prinzip.
Das wird verspürt in der Welt. Die Entwicklungen in Europa zeigen aber zugleich, dass es keine Schnellstraße gibt in eine solche Verbindung von staatlicher Gemeinschaft hinein. Ungeduld und Anspruchsdenken spielen in diesem Zusammenhang eine nicht geringe aber doch auch eine sehr schädliche Rolle. Genaueres überlasse ich an dieser Stelle dem Leser.
ABER wie sieht es nun mit dem "PRINZIP EUROPA" aus, in der Wirkung auf die Arabische Welt.

Die islamisch geprägte Welt reagiert auf das Gleichnis Europa
anders
als Russland und Amerika.
Sie zerfällt dabei in zwei Lager: Das eine Lager ignoriert das Gleichnis EUROPA, so als existierte es gar nicht - neben dem einzig Wahren. Kurz: Die Fundamentalistische Gruppierung (eher klein, aber doch sehr wirkungsvoll) fühlt sich motiviert, den Gottesstaat auszurufen - wenn nicht jetzt, wann dann!? Es ist das Gegenprinzip zum "Prinzip Europa" (Hierarchie, Gottesstaat).
 
Die andere Seite in der muslimischen Welt
fühlt sich dagegen eher angezogen, von dem was sich als "Prinzip Europa" vor ihren Augen entwickelt. In diesem Lager wird sogar eine gewisse Verwandtschaft gefühlt. Vielleicht steigen bei diesen Menschen Bilder auf aus einer Zeit, wo im maurischen Spanien Muslime, Christen und Juden in wertschätzender Weise zusammengelebt haben - in einer Zeit und Atmosphäre, in der NICHT ein Kolonialprinzip etwa die Politik bestimmte, sondern vielmehr die Neugier am Anderen, der Mut zum genauen Hinsehen und die Lust an einer ungezwungenen Kultur im Nebeneinander. Der Grundgedanke der Hingabe (Islam) bringt den arabischen Menschen mit dem "Prinzip Europa" über eine ganz bestimmte Haltung zusammen, über eine Haltung, die ich mit der Wendung "Frei-sein-FÜR" bezeichne. Diese hebt sich am stärksten von einer anderen Haltung ab, in der es um ein "Frei-sein-VON" geht.
In der Arabischen Welt wächst unserem "Prinzip Europa"
vielleicht ein großer Partner und echter Freund entgegen
.
Im Übergang mit dem noch Vorhandenen und den noch im "Abbau" begriffenen alten Strukturen, so wie im Schatten der entsprechenden Verwerfungen, wird es wahrscheinlich aber noch viel Aufregung und Leid geben. Was können wir im Einzelnen tun?  An unserer eigenen Entwicklungs-Dingen weitermachen. Auch und gerade dann, wenn es um etwas Kleineres geht als um die Politik und das große Ganze.
Auch damit unterstützen wir das Prinzip Europa.


Verfasser: Werner Mikus

Bildquellehttp://2.bp.blogspot.com/-pHv3Kl9IR3Y/TtA2KE8r23I/AAAAAAAAJKk/UQHqHEqUmVs/s1600/PicassoMinotaur.jpg