Samstag, 9. August 2014

Gaza, Israel, verdrehte Welt

Ein "Apropos"-Beitrag

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Kontext: In der fb-Gruppe "Psychologie des 21. Jahrhunderts" sind zur Zeit großformatige seelische Zusammenhänge das Thema. Zuletzt war es der Zusammenhang Palästina, Israel und die aktuelle Katastrophe in dem Gebiet. Weil in solchen Gruppen Beiträge immer sehr schnell wieder verschwinden und später schwer wiederzufinden sind, möchte ich meinen dort eingestellten Beitrag zusätzlich hier unterbringen, wo er leicht überarbeitet, im bedienungsfreundlichen Verzeichnis der sogenannten "Apropos-Beiträge aufzufinden ist.


Man muss sich das einmal vor Augen halten:

Das osmanische Reich zerbricht, bestimmte Gebiete fallen in die Hände der umliegenden Staaten. Nach dem ersten Weltkrieg untersteht Palästina der Britischen Verwaltung (Kolonialstatus). Das wird mit der Autorität des frisch gegründeten Völkerbundes besiegelt (einem Bund übrigens, der nach dem Zweiten Weltkrieg von den Vereinten Nationen (UNO) abgelöst wird und dem Amerika beispielsweise gar nicht angehörte - Die Briten und die Franzosen hatten das sagen, wobei den Franzosen z.B. der Libanon unterstand). 1948 kamen die Briten dann auf die Idee (100 Jahre Vorarbeit mit viel Herzl und möglicher Weise etwas weniger politischem Verstand) das von ihnen verwaltete Gebiet (völkerbundgestützt) in zwei Teile zu zerlegen: In einen Teil, der den dort lebenden Palästinensern (Arabern islamischen Glaubens) als Eigentum zurückgegeben werden sollte und in einen anderen, welcher zur neuen Heimat für Menschen aus aller Welt werden sollte. Siedler jüdischen Glaubens und Verfolgte Juden sollten hier eine Heimat finden - und das nicht zufällig gerade in diesem Gebiet, weil nämlich hier die glaubensgeschichtlichen Wurzeln der avisierten Siedler liegen. Am gleichen Tag wurde der israelische Staat gegründet und in der gleichen Nacht noch überfielen die umliegenden Länder den ausgerufenen Staat.
Nun war Israel in diesem und in den nachfolgenden Kriegen eigentlich immer der erfolgreichere Kombattant. Die Auseinandersetzungen brachten dem israelischen Staat Kriegsbeute, den Gazastreifen z.B. - ein Gebiet, was in den tatsächlichen Ausmaßen nicht größer ist als z.B. die Fläche von Wien. Gaza liegt aber wie ein Streifen direkt am Meer.
Israel versuchte im Folgenden durch eine Besiedlung mit "eigenem Blut" (wie das im Osten Europas die Russen ja auch immer gerne gemacht haben) dieses Gebiet in etwas potenziell Eigenes umzuwandeln -naja - und sperrte außerdem den besagten "Streifen" sicherheitshalber nicht nur von der Seeseite, (Seeblockade) sondern auch von allen anderen Seiten her ab (Zaun, Videoüberwachung). Auf Druck der übrigen Welt (UNO, Amerika) ließ Israel dann aber irgendwann - es ist noch gar nicht so lange her - die Besatzungs-Politik im Gazastreifen fallen und erkannte diesen Teil als ein, den palästinensischen Atuonomiegebieten zugehöriges Gebiet an (siehe Westjordanland auf der anderen Seite von Israel).

Zwischenbemerkung:

Wir müssen uns bei diesem Blick auf die Entwicklung aber auch an Folgendes erinnern: Während der ganzen Zeit (von 1948 - bis heute) ging von den besetzten Gebieten (also vom arabisch-palästinensichem Teil dieser Landschaft, eine guerillaartige Bekämpfung des Staates Israel aus, welche nicht zimperlich, sondern mit den hässlichsten Mitteln geführt wurde (meist vom Typus Selbsmordattentäter). Die Haltung, die dabei zum Ausdruck gebracht wurde, könnte man in etwa, folgendermaßen in Worte fassen:
Verschwindet, das ist unsere Land, ihr Juden entheiligt es.

Jetzt ein gedankliches Experiment:

Denken wir uns eine andere Haltung der arabischen Bevölkerung, eine, die eine Art von Wunder hätte wirken können. Natürlich ist die nicht möglich gewesen, weil die Politik Israels z.B. usw...
Aber ich möchte diese Haltung trotzdem erst eimal formulieren. Dann erst wollen wir weitersehen. Diese POTENZIELL MÖGLICHE andere Haltung hätte sich ungefähr mit den folgenden Worte an die in Israel wohnenden Menschen richten können:

"Ihr habt keinen Anspruch darauf, dieses Land hier zu besitzen ...

...die kolonial-mächtige Regelung des Völkerbundes ist für uns (also für diejenigen, die hier ursprünglich leben) ein WILLKÜRAKT, da hilft auch nicht die Referenz auf ein ehemaliges und wenn auch DREITAUSEND JAHRE zurückliegendes Beheimatetsein von Euch Fremden an diesen Wohnorten hier. Und wenn das erst einmal ausgesprochen wäre, dann könnte aus der gleichen Haltung heraus ein weiterführendes Wort gesprochen werden, nämlich ein...

"Aber!...

...Nachdem wir uns in so viel Leid mittlerweile auch so nah gekommenen sind, meinen wir:
WENN ihr in Zukunft NICHT MEHR mit der ARROGANZ eines 'ANSPURCHS-EIGNERS
für diesen FLECKEN ERDE' auftreten wollt, 
DANN, ja dann soll es UNSER WILLE sein, EUCH hier mit uns zusammen LEBEN ZU SEHEN - und das
auch mit den INSIGNIEN eines EIGENEN STAATES ISRAEL"


So herum würde für mich ein Schuh daraus.

Dass die Palästinenser so ein "Nachdenken" bisher wohl kaum in ihren "Köpfen" hatten, ist nicht schwer zu verstehen: Die ganze Diskussion wurde und wird doch bisher immer NUR UMGEKEHRT geführt. So, als wäre die eigentliche Frage DIE, ob ein PALÄSTINENSICHER Staat irgendwann einmal VON ISRAEL ANERKANNT werden kann ODER NICHT (oder vielleicht nicht mit allen Konsequenzen usw.).

Verdrehte Welt!

Ja, so aber ist das Leben! Da machen wir nichts dran.
Oder wir drehen ein bisschen mit!


Autor: Werner Mikus

Der Beitrag ist auch auf facebook zu lesen auf der Seite (Gruppe) Psychologie des 21. Jahrhunderts

Bildverweis: https://www.bundesarchiv.de/imperia/md/images/abteilungen/abtfa/gallerie/_heimat_501x0_0_7.jpg

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