Montag, 4. August 2014

Das "Prinzip Europa"

Ein "Apropos"-Beitrag

- geht auf einen Kommentar oder Beitrag in facebook zurück

Kontext: Wir brauchen schon eine hellwache Psychologie wenn wir mitbekommen wollen, welche politische Wirkung die Entwicklung eines EUROPAS in dem augenblicklichen Weltgeschehn hat. Ich sehe ein "PRINZIP EUROPA", dass sich der Welt anbietet und deshalb mitverantwortlich sein könnte für die augenblicklichen Wirren in derselben (Palästina-, Ukrainekrise, Kalifatsgründung im Irak). Deshalb war die facebookseite "Psychologie des 21. Jahrhunderts" (Gruppe) für mich der geeignete Ort, einmal in einem längeren Beitrag das "PRINZIP-EUROPA", so wie ich es vor mir sehe, vorzustellen - mit Bezug auf die zeitgeschichtlichen und aktuellen Probleme.

Das "Prinzip Europa"

Europa ist die Verkörperung eines neuen, zukunftsweisenden Prinzips, was zeigt, wie eigenständige Staaten in einem intensiven und kontrastreichen Miteinander leben und zueinander finden können. 
Es geht um eine Perspektivische Gemeinschaft in Europa. Das heißt: Jeder Staat lebt seine ganzheitlich eigene Version von Europa, und jedes dieser verschiedenen "Gesichter" steht jeweils auch allein für das Ganze, es ist Europa, jeweils in einem konkreten Gleichnis. Die beteiligten Staaten werden NICHT durch eine abstrakte Konstruktion ersetzt. 
Das heißt: Außerhalb der gelebten Varianten dieses Ganzen (Frankreich, Deutschland, Spanien z.B.) gibt es Europa nicht: Europas Institutionen fallen der Welt (dem Europäer selbst vielleicht weniger) durch ein eigentümlich geprägtes Verhältnis von Haupt- und Nebenzielen auf: Ihr Hauptziel ist es nämlich, ein Verschiedensein und Anderssein innerhalb der Gemeinschaft zu sichern und Räume zu schaffen, welche dazu beitragen, Synergien zu fördern. Die Nebenziele verregeln bestimmte Dinge. 
(Es ist aber auch schon passiert, dass eine Regelung - z.B. das geplante Verbot der offenen Ölkännchen im Restaurant und ihr Ersatz durch verschlossene Fläschchen mit genormten, sicherem Inhalt - wieder zurückgenommen wurde: Es siegte eben die Einsicht, dass die Verfolgung eines Nebenzieles - gemeint war die Standardisierung eines Ölniveaus am europäischen Restauranttisch - sich in das Benehmen eines Hauptzieles zu verkehren drohte. Wenn es uns Europäer auch gar nicht so leicht fällt, wir müssten dennoch der etwas frotzelnd gemeinten Frage zustimmen: Wo gibt es einen solchen Korrekturmechanismus in einer "reinen Verwaltung" denn eigentlich sonst noch?)


Europa stellt ein besonderes Prinzip der Stiftung von Gemeinschaft
und einer besonderen Pflege derselben als Möglichkeit in dieser Welt heraus. Ich nenne es kurz das "Europa-Prinzip", weil ich es abgrenzen möchte von einem anderen, nach welchem sich ebenfalls Staatengemeinschaften bilden und erhalten können - darüber weiter unten mehr. In der Zeitgeschichte, also ganz aktuell, haben wir es allerdings mit den Wirkungen des von mir so bezeichneten "Europa-Prinzips" zu tun: Die Welt schaut mit einer Bewunderung aber auch mit allen möglichen, nicht nur ungefährlichen Reaktionsbildungen auf dieses Prinzip - welches übrigens nicht per Verordnung oder von irgendeiner Not diktiert auf die Bühne unseres Weltgeschehens getreten ist. Und zur Erinnerung noch einmal: Die Geschichte Europas, je nach dem aus welchem der beteiligten Länder wir grade die Geschichtsbücher nehmen, hört sich SEHR verschieden an: Und genau DARIN zeigt sich das Besondere an diesem Europäischen oder Perspektivischen Prinzip des Zusammenlebens (siehe auch oben). 
Und nun ein Blick in die andere Richtung:
Es gibt ein Staatenbildungsprinzip, das "kontaminiert ist durch die 
Erfahrung einer Kolonialisierung" (teilweise auch Binnen-Kolonialisierung). 
Die Nachfahren dieser Art von Gemeinschaftsbildung (Russland und Amerika z.B.) stehen in einem gewissen Sinne heute noch im Mittelpunkt der Weltgeschichte. Ich finde, dieses Prinzip der Stiftung und des Zusammenhaltens von Gemeinschaften verdient es, neu und als überwindungswürdig verstanden zu werden.
Durch die völlig außer Kontrolle geratenen Kriegshandlungen in Palästina(Gazastreifen, Israel) ist unser Blick aktuelll von diesem kolonialgeschichtlich kontaminierten Prinzip etwas weg- und auf das unsägliche Leid hin abgelenkt, das hier in endloser Wiederholungsschleife sich zeigt (obwohl genau dieses Prinzip gerade in dieser Region seine tragischen Urstände feiert).
Europa ist das Gleichnis für ein alternatives Prinzip.
Das wird verspürt in der Welt. Die Entwicklungen in Europa zeigen aber zugleich, dass es keine Schnellstraße gibt in eine solche Verbindung von staatlicher Gemeinschaft hinein. Ungeduld und Anspruchsdenken spielen in diesem Zusammenhang eine nicht geringe aber doch auch eine sehr schädliche Rolle. Genaueres überlasse ich an dieser Stelle dem Leser.
ABER wie sieht es nun mit dem "PRINZIP EUROPA" aus, in der Wirkung auf die Arabische Welt.

Die islamisch geprägte Welt reagiert auf das Gleichnis Europa
anders
als Russland und Amerika.
Sie zerfällt dabei in zwei Lager: Das eine Lager ignoriert das Gleichnis EUROPA, so als existierte es gar nicht - neben dem einzig Wahren. Kurz: Die Fundamentalistische Gruppierung (eher klein, aber doch sehr wirkungsvoll) fühlt sich motiviert, den Gottesstaat auszurufen - wenn nicht jetzt, wann dann!? Es ist das Gegenprinzip zum "Prinzip Europa" (Hierarchie, Gottesstaat).
 
Die andere Seite in der muslimischen Welt
fühlt sich dagegen eher angezogen, von dem was sich als "Prinzip Europa" vor ihren Augen entwickelt. In diesem Lager wird sogar eine gewisse Verwandtschaft gefühlt. Vielleicht steigen bei diesen Menschen Bilder auf aus einer Zeit, wo im maurischen Spanien Muslime, Christen und Juden in wertschätzender Weise zusammengelebt haben - in einer Zeit und Atmosphäre, in der NICHT ein Kolonialprinzip etwa die Politik bestimmte, sondern vielmehr die Neugier am Anderen, der Mut zum genauen Hinsehen und die Lust an einer ungezwungenen Kultur im Nebeneinander. Der Grundgedanke der Hingabe (Islam) bringt den arabischen Menschen mit dem "Prinzip Europa" über eine ganz bestimmte Haltung zusammen, über eine Haltung, die ich mit der Wendung "Frei-sein-FÜR" bezeichne. Diese hebt sich am stärksten von einer anderen Haltung ab, in der es um ein "Frei-sein-VON" geht.
In der Arabischen Welt wächst unserem "Prinzip Europa"
vielleicht ein großer Partner und echter Freund entgegen
.
Im Übergang mit dem noch Vorhandenen und den noch im "Abbau" begriffenen alten Strukturen, so wie im Schatten der entsprechenden Verwerfungen, wird es wahrscheinlich aber noch viel Aufregung und Leid geben. Was können wir im Einzelnen tun?  An unserer eigenen Entwicklungs-Dingen weitermachen. Auch und gerade dann, wenn es um etwas Kleineres geht als um die Politik und das große Ganze.
Auch damit unterstützen wir das Prinzip Europa.


Verfasser: Werner Mikus

Bildquellehttp://2.bp.blogspot.com/-pHv3Kl9IR3Y/TtA2KE8r23I/AAAAAAAAJKk/UQHqHEqUmVs/s1600/PicassoMinotaur.jpg

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