Donnerstag, 23. Oktober 2014

Sprachliche Bilder als Gemeingut entwickeln


Ein "Apropos"-Beitrag

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Kontext: In der facebook-gruppe Psychologie des 21ten Jahrhunderts  hatte ich auf Jeremy Rifkin hingewiesen, der in seinem Buch "Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft" auf die Bedeutung des Gemeingutes für unsere Zukunft hinweist. Ich denke, dass die Ressource unserer sprachlichen Bilderwelt in einem Punkt überraschend vergleichbar ist mit der Ressource eines z.B. elektromagnetischen Raumes, der um uns herum ist: Sie wird zu einem unheimlichen Reichtum, (wie in der neueren Wellennutzungstechnik) weil wir verstehen, mit dieser Quelle auf einer extrem expandierenden Weise, etwas anzufangen. Das Gemeingut sprachliche Bilderwelt verlangt nach einer Behandlung die sich nicht mehr an dem Muster Eigentum und Besitztum orientiert. In diesem Sinne wollte ich den Leser neugierig machen.



In der Welt der sprachlichen Bilder

geht es um ein Gut, was der Mensch für seine Interessen einsetzen kann, als ein mächtiges Medium. Was das aber genau bedeutet, wird erst heute richtig deutlich; Nachdem wir nämlich Methoden entwickelt haben, die es uns erlauben, auch äußerst komplexe seelische Zusammenhänge (sowohl die kleinen, die uns meist zu nah sind, als auch die großformatigen, die uns meist zu fern sind) in Bildern und Gleichnissen nachzubilden und im gewünschten Sinne zu beeinflussen (Bildanalytische Psychologie). Die Psychoanalyse z.B. war hierzu ein erster wichtiger Anstoßgeber.


Was ich als wichtig heausstellen möchte: 


Es geht um ein Gemeingut!

Bis dahin... 

...hatte dieses "Gut" allerdings der "Verwaltungshoheit" der Kirche unterstanden: Sie bestimmte (oder setzte die Menschheit ins Bild) über das Was und Wie der Wirkungen und Geltungen im Umgang untereinander und im Umgang mit der "Schöpfung" im Ganzen.

Später 

traten dann die verschiedenen Wissenschaften (Bereichswissenschaften) auf den Plan und erhoben den Anspruch anstelle der Kirche Deutungs- und Definitionsmacht zu besitzen - wobei sie durch ein Herunterbrechen ihrer Sprachbilder auf "reine" Begriffe, zu einer kontextblinden Benutzung von Gleichnissen und Bildern beitrugen.

Mit einer Psychologie des 21. Jahrhunderts... 

(und das ist neu) explodieren allerdings unsere Möglichkeiten in Bildern und Gleichnissen methodisch kontrolliert und gezielt komplexeste Zusammenhänge zu beschreiben und sie auf diesem Wege auch aufs Vielfältigste nutzbar machen zu können.

Bildverwalter

Dieser Entwicklung stehen allerdings auch neue "BILDVERWALTER" entgegen. Da sind z.B. die mächtigen Ausbildungs-Vereine der Psychoanalyse mit ihrem festlegenden Bildern von einem Ödipus, Narzismus etc und da stehen Institutionen, wie die der Ärzte- und der Psychotherapeutenkammern (mit ihren fetstlegenden Bildern von Depression, Abhängigkeit, Melancholie krankheitswertigem Leid usw.). In beiden Gruppierungen werden Bildverhältnisse gerne wie ein Eigentum behandelt, das man lizensieren und wie eine Art von Ware auf einen (in diesem Falle heilkundlichen) oder auch berufsausbildenden Markt bringen kann.

Eine Bildanalytische Psychologie dagegen

will die Beschäftigung mit der Seele (Psyche in einem erweiterten Sinne) durchlässig machen für die Entwicklung auf eine Gesellschaft hin, die gleichsam monopolfrei mit dem GEMEINGUT einer BILDERWELT umzugehen weiß. Die sprachbildliche Welt muss von uns umsichtig kultiviert werden, damit NICHT bestimmte Bilder irgendwelche Zusammenhänge versklaven und sich unschuldig in den Dienst bestimmter Vereine (Institutionen oder Personen) stellen. 

Schritt für Schritt

muss eine solche, neue Organisationsform für das expandierende Medium "Gleichnis und Bild" entwickelt werden (die dazugehörenden Methoden einschließend), Es geht um eine Form, die dem Qualitäts-Merkmal eines Gemeingutes folgt. Das Psychosoziale Forum (Wissenschaftliche Gesellschaft für Bildanalytische Psychologie) wurde 1986 zu diesem Zwecke gergründet. Und es gibt hier bereits eine nunmehr beinah 30jährige Erfahrung darin, dieses Ziel gemeinschaftlich zu verfolgen. Hierbei stehen hilfreich auch Weiterbildungen eines neuen Typs zur Verfügung. Nicht zuletzt tragen auch sie zu einer Kontinuität der gemeinsamen Arbeit an der Kultivierung einer sprachbildlichen Wirklichkeit im Sinne eines Gemeingutes bei.

Autor: Werner Mikus

Ergänzend zum Thema: Die Entwicklung der Psychologie und die sprachlichen Bilder

Bildquelle: http://designyoutrust.com/wp-content/uploads/2013/01/Hear-me-calling-600x800.jpg

Kommentare:

  1. Hallo Werner Mikus,
    ich möchte Dir mal zur Gründung 1986 des "Psychosozialen Forums" gratulieren. Es hat seither wohl eine bedeutende Entwicklung genommen. Dein Akzent, die "sprach bildliche Wirklichkeit im Sinne eines Gemeinguts" anzusehen und bildanalytisch psychologisch zu untersuchen, erlebe ich als einen weit greifenden Einsatz der Salberschen psychologischen Morphologie.
    Schreib mir doch mal, wo ich Beispiele solcher Untersuchungen finden kann.
    Ich möchte Deine Vorgehensweisen gern kennen lernen. Mich interessiert die Konstruktion / Schaffung solcher kunstartigen Wirkungseinheiten.
    Ich wünsch Dir weiter frohes Schaffen.

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    1. Hallo Wolfgang,
      wer wie Du ein morphologisch-psychologisches Studium der Psychologie bei W. Salber in Köln absolviert hat, der hat ganz bestimmt das beste Training gehabt, Seelisches in Bildern und Analogien zu beschreiben. Auch wenn das nicht ganz ohne eine Ausrichtung war, nämlich auf das (Goethes Farbkreis analoge) 6-eck und die 4 besonderen Drehungen (Versionen) selbstverständlich. Es gab aber in diesem Rahmen vielmehr Spielraum als in allen anderen psychologischen Systemen.
      An diesem Ort habe ich auch die gute Beschreibung zu schätzen gelernt und eine zeitlang war ich dort auch Mitlehrender und Helferlein.
      Jetzt zu dem was ich selbst seit fast 30 Jahren mache: (Kurzer Zwischengedanke dazu)
      Steigt man aus den Ansprüchen einer Bereichswissenschaft Psychologie aus und versucht eine universale Perspektive auf die Welt, zur Grundlage einer Wissenschaft zu machen, bekommt der Begriff „System“ plötzlich eine neue und andere Bedeutung:

      Die *universale Perspektive* „erlebbare Zusammenhänge“ macht aus einer Bereichswissenschaft eine Grundwissenschaft. Alles existiert als ein erlebbarer Zusammenhang – nicht alles existiert als Erleben oder Verhalten, denn das grenzt sich von den Dingen ab, die wir ja erst mal erlebt werden müssen. Aber als ein erlebBARER Zusammenhang ist alles anzusehen (es besteht die Möglichkeit erlebt zu werden, weil es ein bildhaftes sich Verstehen hat).
      Die Folge dieser universalen, neuen Perspektive: Es entsteht ein neues, genau dieser Grundwissenschaft typisches Organisationsprinzip (ähnlich wie es mit der Grundwissenschaft Physik und der Mathematik gekommen ist). In der neuen Wissenschaft ist das **sprachliche Bild** die Ordnung. Dyonisos z.B. oder Ödipus oder Einäuglein, „Zweiäuglein und Dreiäugleich“ (letzteres Beispiel ist von mir herausgearbeitet anhand der Entwicklung der Psychoanalyse und des Paradoxiebegriffs). Welche Techniken der Studierende jetzt zu erlernen hat, um das sicher durchzuführen (das entschlüsseln und verschlüsseln nach diesem Prinzip), das ist das, was eine Bildanalytische Psychologie im Besonderen transparent zu machen und zu lehren hat. Ich muss mal sehen, ob ich im Kommentarbereich links legen kann zu dem einen oder anderen Materialien…
      Liebe Grüße nach Leverkusen

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