Sonntag, 15. März 2015

Über Ereignisse, die "sprechen" und eine Ansage machen


Ein "Apropos"-Beitrag

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Kontext: In einer facebook-Diskussionsgruppe wollte jemand zu einer deutungsfreien Berichterstattung raten. Beschreibungen legen aber immer schon Wirklichkeiten aus, ob wir das wollen oder nicht. Aus diesem Grund ließ ich mich auf eine prinzipielle Erörterung dieses Problemes am Beispiel des Schreckensereignisses 9-11 und eines anderen Ereignisses ein, welches das aktuelle Verhältnis Russland, Westliche Welt und Ukraine betrifft. Der Gedankengang entwickelte sich wie folgt: (Ich schrieb) 
"Du fragst mich (mit leicht ironischem Unterton): 'Muss [denn] alles nur gedeutet werden!?' Und Deine Frage nimmt auf den 5. Kreis der olympischen Ringe Bezug, der bei der Eröffnungsfeier im kaukasischen Sochi 2014 *nicht aufgegangen* ist und auf die darin anklingende Parabel vom Kaukasischen Kreidekreis mit ihrer pointenhaft herausgestellten eigenen Bewertung von wahrer Mutterschaft und Zugehörigkeit." 


Zur Objektivität möchte ich an dieser Stelle folgendes sagen: 

Es gibt Ereignisse, die sprechen für sich, oder anders ausgedrückt, sie haben einen übersubjektiven "Text". Was sie uns sagen ist paradoxer Weise  kontextübergreifend (das heißt, unabhängig von einem definitionsähnlich vorgegebenen Deutungskontext). Eine explizite Deutungsanstrengung ist dabei noch nicht verlangt. Das ausdrückliche Deuten kommt erst in einem "zweiten Schritt" hinzu. Aber das Sochi- und noch eindrucksvoller das 9/11-Twintowerereignis geben nach meiner Ansicht einen gewissen "Grundtext" einfach vor. Vielleicht möchten wir ja in solchen Fällen lieber nicht so genau hinschauen. In beiden Fällen zeigt sich aber, dass ein einfaches "Lesen" uns schon sehr viel Verständnis bringen kann für das was geschieht und was voraussichtlich nachfolgen wird: Twintower, der Dom des Kapitalismus, Worldtradecenter, von Flugmaschinen zerstört, voll mit fliegenden, unschuldigen Menschen; ohne Kontrolle oder in den Händen einer höheren Macht,  totbringend und selbstvernichtend rasen sie in das besondere Symbol hinein. Der Sochi-"Grundtext" ist auch nicht wesentlich undramatischer (man nehme hierzu nur die Parabel vom Kaukasischen Kreidekreis - wozu ich an anderer Stelle Ausführlicheres geschrieben habe). 


Aber solche, ich nenne sie mal "kassandrische" Ereignisse

die einen verzweifelten Rettungsversuch darstellen in einer Phase sich verselbständigender Erledigungen, sind für ein psychologisches Verständnis, das großenteils noch aus dem letzten Jahrhundert stammt, eine kaum zu bewältigende Herausforderung. Wir übersehen hier lieber etwas, anstatt genauer hinzusehen: Wir übersehen es durch eine Überbetonung der Vernunft auf der einen und durch eine Faszination an Verschwörungstheorien auf der anderen Seite. 

Autor: Werner Mikus

Bildquelle: Zeichnung Werner Mikus



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