Sonntag, 16. November 2014

Der Psychologe Wilhelm Salber



Ein kleines, persönliches Nachdenken über ihn:

Wilhelm Salber entwickelte die Morphologische Psychologie, eine Art Relativitätstheorie innerhalb der Psychologie. Leider wurden seine Konzepte trotz zahlreicher Bücher (35) und Veröffentlichungen (rund 200) innerhalb der akademischen Welt, in der er selbst als ordentlicher Professor (30 Jahre Institutsleitung Uni Köln) tätig war, kaum angenommen. Sie werden auch heute noch, weil sie das Denken in festen Kategorien brechen, von nur wenigen verstanden.

Wilhelm Salber mit seinem Denken, das jedes "preußische" Wissenschaftsverständnis hinter sich lässt, war für mich als Student und Mitarbeiter ein exzellenter Lehrer. An die Stelle der "heiligen Sakramente" einer operationalisierenden Evaluation, stellte er die hochkomplexe, sprachbildliche Beschreibung und ließ sich nicht darin beirren. Er war noch mit 88 Jahren († 2. Dezember 2016) in diesem Sinne schreibend und supervisorisch tätig.

Morphologie des Seelischen und die Bildanalytische Psychologie

Wie sollte es eine darauf aufbauende Bildanalytische Psychologie, wie sie von mir und einigen Mitdenkern seit mehr als 25 Jahren entwickelt wird, leichter haben. Geht diese doch über ein Relativieren-Können des rein personenbezogenem Seelischen - welches ja durch das morphologische Denken in Wirkungseinheiten jetzt auch kontrolliert möglich war - noch einmal hinaus: Mit der Bildanalytik bekommt die Psychologie nämlich ein weiteres Problem hinzu:

Das neue Problem: Bruch mit dem Determinismus

Dabei geht es der Psychologie ähnlich, wie es gerade noch der relativistisch erneuerten Physik mit dem Aufkommen eines *in-deterministischen* Denkens durch die Quantenphysik ergangen ist.
In der Bildanalytischen Psychologie versuchen wir nämlich alles Seelische von den "erlebbaren Zusammenhängen" her zu verstehen: Erleben ist demnach eine verfestige Form solcher "Erlebbaren (sprachbildlichen) Zusammenhänge" und folgt - noch bevor es aus Solchem hervorgeht - Regeln, die uns in Einigem noch fremd sind und die es noch zu erforschen und zu beschreiben gilt. 

Autor: Werner Mikus


Tiefenpsychologie, Morphologie, Bildanalytik
- Erforschung der sprachbildlichen Zusammenhänge -
(Werner Mikus) 2015

Mehr über eine Psychologie der erlebbaren Zusammenhänge:
(Werner Mikus) 2013

Bildquelle: Strichzeichnung Werner Mikus



Kommentare:

  1. Sehr interessant, die Reflexion warum Salber & Co nicht öffentlicher wahrgenommen werden halte ich für eine wichtige. Gerne ausführlicher. Auch hätte ich mehr zum letzten Punkt gelesen. Für mich hat das Ganze dann vor allem mit der Illusion der Willensfreiheit zusammen. Dafür scheinen Kultur/Gesellschaft schlicht noch nicht bereit...

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  2. Ja, das mit der Willensfreiheit habe ich verstanden. Das Konzept vom Unbewussten hat uns ja schon von einer recht naiven Auffassung über die Willensfreiheit in eine etwas andere Richtung gebracht. Aber das Unbewusste ist nach diesem Konzept doch immer noch eine voll determinierende Wirklichkeit, womit unser "Wollen" ja noch mehr in ein Vorherbestimmtsein (oder: Determinatiertsein) hineingestellt ist. Wenn wir dagegen - wie in der Bildanalytik - davon ausgehen, dass ein Sinn und eine seelische Bedeutung immer erst vom Ende her gegeben ist, dann bekommt die Freiheit paradoxer Weise auch wieder "etwas Luft": Das "Werk", das was am Ende rauskommt, gibt dem vorausgegangenen erst seinen Sinn. Es schafft das Vorausgegangene in seinem Sinne (also: sinngebend) um, und der Mensch ist mittendrin, um dabei sagen: zu können: Ja, genau so habe ich es gewollt oder so hätte ich es eigentlich wollen sollen ;-).
    Ich habe den Beitrag oben um zwei (anklickbare) Hinweise auf weitere Beiträge ergänzt, in denen ich auf Ihre Fragen etwas genauer eingehe. Ich freu mich über Ihre Rückmeldung, super.

    WM

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