Bildanalytische Psychologie

- Begriffserklärung -


Bildanalytischer Appetizer Nr. 1












Analytisch...  

weist auf eine Verwandtschaft mit der Psychoanalyse hin. In der Bildanalytischen Psychologie haben die seelischen Widersprüche eine ebenso zentrale Bedeutung wie in der Psychoanalyse.
Freud konnte zeigen, dass die Widersprüche (Ambivalenzen) im Seelischen Dreh- und Angelpunkt des psychischen Funktionierens sind. Die Psychoanalyse im Ganzen wirkte hierzu wie ein experimenteller Beweis: Werden die Widersprüchlichkeiten im Seelischen ausgeklammert, entstehen Krankheiten (Neurosen), werden sie in der seelischen Konstruktion zugelassen, verschwinden die Störungen.

Bild...
weist darauf hin, dass die Bildanalytische Psychologie den Gegenstand des Seelischen erweitert. Seelisches meint hier über die Erlebens- und Verhaltenszusammenhänge hinaus alle bildhaften Verhältnisse, auch diejenigen, bei denen die Persönlichkeit nicht einbezogen ist. Die Tiefenpsychologie, sowie die Gestaltpsychologie geben den Bildern eine besondere Bedeutung: Bilder tragen Widersprüche in sich aus, ohne sie auszuklammern (die Geschichte vom König Ödipus und die paradoxen Beziehungsformen, die z.B. Watzlawick beschreibt, zeugen davon). Für die Bildanalytische Psychologie allerdings ist das Bildhafte nicht nur eine Darstellungsform. Das Bild (Gleichnis) steht hier für das Seelische selbst und für die ihm ganz eigene Natur!

Seelisches ist das Bild, der erlebbare Zusammenhang, die Analogie, das Gleichnis. Das Seelische ist nicht etwas anderes, das hinter dem Bild erst noch zu suchen ist. 

Nehmen wir das Beispiel einer festlichen Atmosphäre. Gemeint ist ein erlebbarer Zusammenhang, der einer inneren Logik folgt. Die festliche Atmosphäre ist auf verschiedene Weise existent: In der Ausstattung der Räumlichkeiten z.B. oder auch in der Garderobe der Beteiligten - und nicht nur im Erleben eines Einzelnen oder statistisch in einer Gruppe. Genau dieser bildhafte Zusammenhang aber, der die Einzelheiten übergreift, bestimmt das betreffende Geschehen! Er gibt ihm sein psychisches Gesicht. Dementsprechend stellt die Bildanalytische Psychologie die bild- oder gleichnishaften Zusammenhänge in den Mittelpunkt, anders als die aufs Erleben und Verhalten hin fixierte Psychologie es tut. Der Gegenstand der Psychologie erweitert sich damit. 


Ausblick:

Vielleicht erweitert sich auch unser Einfühlen auf diesem Weg und lässt mehr und mehr eine größere Nähe entstehen - eine Nähe, die eine Verbindung "auf Augenhöhe" schafft, auch zu den scheinbar seelenlosen Dingen in der Welt. Mir würde das sehr gefallen. 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Denken in Paradoxien und psychodoxen Ordnungen

Über den Dingen stehen?